Routebeschreibung

Chamanna da Tschierva  2.583 m (CH)

Es ist Herbst.  Die Bäume bekommen schon eine rötliche Farbe und auch die zahlreichen kleinen Pflanzen auf den Berghängen zeigen schon die ersten Verfärbungen.  Die vielen Schattierungen schmeicheln dem Auge.  Dies ist eine wunderschöne Zeit in Graubunden.  Die Natur kann sich endlich  von der lebhaften Sommersaison erholen.

Die zweite Etappe während unseres verlängerten Wochenendes, wo die Chamanna da Tshierva und die Chamanna Coaz auf dem Programm stehen, fängt bei der Fuorcla Surlej an.  Diese Hütte liegt auf 2755 Meter Höhe und ist von dem Mittenstation der Corvatschbahn in Silvaplana erreichbar.  In nördlicher Richtung gehen wir über den Alp Surovel  zum Val Roseg herunter.  Das Panorama mit dem Piz Bernina (4049 Meter), Piz Scerscen (3971 Meter) und Piz Roseg (3937 Meter)ist überwältigend.    Ein blauer Himmel, eine reiche Farbpalette und beschneite Berggipfel… was wollen Sie mehr?  Auf unserem ganzen Weg hatten wir schlechtes Wetter, aber im Tal schien die Sonne.  In der Ferne, hinter den Berggipfeln, häufen sich die Wolken, aber sie kommen nicht bis ins Tal.  Wir haben Glück.

Wir müssen etwa 756 Meter herunter gehen und brauchen dafür etwa anderthalb Stunde.  Das liegt nicht daran, dass wir  nicht schneller laufen könnten, aber wir genieben in vollen Zügen die saubere Luft, die prächtigen Ausblicke, die kleinen Blumen in der Sonne, die Grillen, die ihre letzte Melodie pfeifen und die Vögel, die wir nur selten sehen.  In Val Roseg steht das rose Hotel Roseg.  Es ist von Pontresina aus zu erreichen.  Die Strecke kann sogar mit der Kutsche zurückgelegt werden.  Das Hotel Roseg besitzt zahlreiche Pferdeställe, was man schon von weitem riechen kann, aber es besitzt Charme.  Das Wasser von den Gletschern bildet hier den Ova da Roseg, der  sich bereits zu einem breiten Flub ausgedehnt hat. Über eine Brücke erreichen wir die andere Seite des Flubes, wo wir unseren Aufstieg zur Hütte starten.

Hotel Roseg

Wir gehen den Ova da Roseg jetzt südwärts entlang.  Ein bisschen weiter müssen wir ein kleines Stück durch den Wald.  Wir steigen immer noch ganz langsam, aber im Wald ändert sich das.  Der Weg wird steiler, aber es gibt keine Schwierigkeiten.  Auf der Höhe der Margun Misaun, eine Ruine einer alten Scheune, gibt es immer mehr Kurven und es muss auf einer kurzen Strecke ein grober Höhenunterschied zurückgelegt werden. Endlich erreichen wir dann die Moräne des Vadrets da Tschierva.  Ich bin ein bisschen erschöpft.  Ohne den Akklimatisationsprozeb hinter sich zu haben, eine Bergwanderung auf  2583 Meter Höhe anzufangen, ist nicht wirklich die richtige Weise, um in die Berge zu gehen. Aber Zeitnot zwingt uns zu diesem Abenteuer.  Die Hütte kann man schon von hieraus sehen, was uns wieder Mut gibt.  Das Schauspiel ist wunderschön!

Der Piz Bernina mit dem Bianco Grat und der Piz Scerscen. 
In der Ferne, links am Berghang, die Hütte.

Von Val Roseg aus erreichen wir nach etwa zweieinhalb Stunden die Hütte.  Wir genieben die friedliche Ruhe auf der Terrasse und schauen uns das Wolkenspiel um die Gipfel herum an.  Als die letzten Sonnenstrahlen auf dem Piz Berinina scheinen, bekommen wir noch ein unerwartetes Schauspiel zu sehen.  Ein Rudel von etwa achtzig Gemsen ( habe noch nie soviele zusammen gesehen) kommt aus den Bergen herunter und verbringt die Nacht nicht mal hundert Meter von der Hütte entfernt.  Das ist einfach schön, ein intensiver Genub, neue Kraft zu schöpfen!

Der Piz Scerscen in den Wolken mit der Spitze des Piz Umurs genau davor und rechts dem Piz Roseg.

Erste Etappe: von Silvaplana nach Fuorcla Surlej.
Dritte Etappe: von Chamanna da Tschierva nach Chamanna Coaz.

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